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Halbmarathon rückwärts in 1:45h

Der Auffahrtslauf in St. Gallen an Christi Himmelfahrt ist einer der beliebtesten Läufe in der Schweiz. Und dieses Jahr war ich mit dabei und zwar in ganz besonderer Art und Weise. Laufart und Laufweise. Statt vorwärts wollte ich nämlich die 21,095km rückwärts bewältigen. Nach 1:45:22h stürmte ich ins Ziel in der AGF Arena. Es war eine echte Herausforderung, die ich mir noch nicht mal in meinen kühnsten Erwartungen hätte vorstellen können. Die Strecke war sehr anspruchsvoll, für Vorwärtsläufer eine große Herausforderung, für mich rückwärts war es brutal. Es ging abwechselnd durch die frühlingshafte Natur und durch die Innenstadt, landschaftlich also super schön, allerdings blieb mir dafür nur bedingt Zeit und Muße, die Umgebung zu genießen. Die Offroad Passagen mit Steigen von über 10% und anschließendem Gefälle, ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich forderten alles von mir ab. Ich bin siebenfacher Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen, bei diesen Läufen ging es stets um die Platzierung oder die schnellstmögliche Zeit. Heute war die Distanz und der Kurs der Gegner, die es zu schlagen galt. Ich versuchte im Feld der Vorwärtsläufer mitzuschwimmen. Geleitet von zwei Radfahrern, die pausenlos die Streckenbeschaffenheit und Richtungswechsel ansagten, eskortiert von der Schweizer Polizei auf einem Segway, registrierten die Zuschauer schnell, wenn wir die Strecke entlang kamen.

Bevor es zum Zieleinlauf ins Stadion ging musste ich noch eine Treppe überwinden. Rückwärts wohlgemerkt und mit über 20km in den Beinen. Nach dieser letzten großen Herausforderung ging es 200m durchs Stadion bevor ich überglücklich die Ziellinie passierte. Der Lauf war eine krasse Erfahrung, an die mich meine Beine und etliche Blasen noch die nächsten Tage erinnern werden.

Mit sechstausend Teilnehmern hat der Auffahrtslauf in diesem Jahr einen neuen Teilnehmerrekord erreicht. Und bei der vierten Auflage in 2017 soll der positive Trend weiter gehen. Für mich war das ein äußerst gelungener Wettkampf auf dem Weg zur Weltmeisterschaft der Rückwärtsläufer vom 15. bis 17. Juli in Essen. Wenn die WM zum ersten Mal in Deutschland stattfindet, will ich top fit sein. Dafür werde ich in den kommenden zwei Monaten noch viele Kilometer abspulen, gegen die Blickrichtung, mit Zielrichtung Bestzeit.

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