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Olympische Spiele in Rio

Nach meinem Rückwärtslauf Weltrekord im Juli in Essen habe ich meine Laufkilometer etwas runter geschraubt. Sowohl vorwärts als auch rückwärts. Das lag zum einen daran, dass mein Körper sich auf etwas weniger sportliche Intensität gefreut hat und zum anderen, dass der Fokus auf den Olympischen Spielen lag. Weder Rückwärts- noch Treppenlaufen ist olympisch, dafür Marathonlaufen. Und dort habe ich Anna und Lisa Hahner vor Ort betreut und war somit auch knapp zwei Wochen in Rio, dem Ort wo das Sportherz pulsierte. Eine ereignisreiche, emotionale Zeit mit vielen Eindrücken, Erlebnissen und Begegnungen. Ich habe gut dreieinhalb Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt gewohnt. Als Athlet irgendwo hinzukommen, war recht einfach. Für Nicht-Akkreditierte dafür umso schwieriger. Um das Olympische Dorf herum war eine Zone, in die kein Auto oder Taxi fahren durfte. Somit habe ich mein Training oft genutzt, um von A nach B zu kommen. Zu Fuß war da nämlich meist noch die beste Variante. Am Mittwoch vor dem Olympischen Marathon stand für Anna und Lisa Hahner noch die letzte intensivere Einheit vor dem Wettkampf am Sonntag an, die ich betreut habe. 5x1000m. Als Intervallstrecke haben wir uns einen Radweg direkt neben dem Olympischen Dorf ausgesucht. Anna und Lisa haben vor ihrem Wettkampf das Olympische Dorf ansonsten fast nicht verlassen. Ich habe mir einen Schwimmwettkampf angeschaut, war bei der Leichtathletik und in der zweiten Woche Triathlon und Beachvolleyball.

Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen in London war es hier in Rio möglich, Karten noch direkt vor Ort zu kaufen, was es einfacher gemacht hat, spontan aggieren zu können. Für den Frauenmarathon habe ich mir ein Fahrrad ausgeliehen, um sowohl Anna als auch Lisa öfters an der Strecke sehen zu können. Ein Stadtrad, das meinen vollen körperlichen Einsatz gefordert hat. Bei 30° und praller Sonne kam ich ganz schön ins Schwitzen und ich war nur auf dem Rad unterwegs. Wie muss es sich beim Laufen für die Marathonläuferinnen angefühlt haben. Auf der Strecke habe ich mich mit Marco Scherl, Trainer und Ehemann von der dritten Deutschen Anja Scherl, abgesprochen und koordiniert. Zusammen hatten wir uns bereits am Samstagvormittag in Eigenregie Strecke und Kurs des Marathons angeschaut, um den drei deutschen Läuferinnen Streckeninfos mitgeben zu können. Große und breite Straßen ohne Schatten war eine Erkenntnis, die wir mitgenommen haben und bei einem letzten Prerace-Meeting am Samstagnachmittag haben wir mit den Athletinnen die Trink- und Renntaktik besprochen. Mit den Olympischen Spielen in Rio ging ein Traum von Anna und Lisa in Erfüllung, den ich mit ihnen gelebt und verfolgt habe. Nun ist sozusagen Neustart. Ein Vierjahreskapitel ist abgeschlossen und ich freue mich darauf, was das nächste Kapitel zu bieten hat. Neue Ziele und vielleicht auch neue Wege.

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