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Weltrekordversuch Dresden

Bei einem Rückwärtslauf ist vieles anders. Die Blickrichtung, die Muskelbeanspruchung, die Belastung auf Sehnen und Gelenke und vor allem die Laufrichtung. Eine gute Trainingsplanung, intensive Einheiten und ein großer Wille, Grenzen zu verschieben, sind nur einige Dinge, die gleich sind wie bei jedem Vorwärtswettkampf oder insgesamt im Sport und oft im Leben.
 
Seit meinem ersten Rückwärtslauf in 2003 habe ich viele Weltrekorde ausgestellt. Aktuell stehen diese bei
10.000m 38:50,01min (Essen, 2016)
10km 39:20min (Dresden, 2015)
3000m 11:11:76min (Aosta, 2014)
1609m (Meile) 5:46min (Meßkirch, 2004)
1500m 5:01min (Trier, 2009)
1000m 3:18,43min (Linz, 2014)
1km 3:20min (Trier, 2009)
800m 2:31,3min (Pietrasanta, 2008)
400m 69,56s (Utrecht, 2005)
 
Wer jetzt genau geschaut, hat merkt: Da fehlt die Strecke von 5000m.
Und genau das war der Ausgangspunkt, um den Kontakt zu der Laufszene Events, die die
REWE Team Challenge veranstaltet, zu suchen.
Nicht auf ebenem, genormtem und glattem Tartan, sondern auf einer ganz normalen Straße, mit Straßenbahnschienen, unterschiedlichen Kurven und als besonderes Rückwärtsläufer Highlight, mit Kopfsteinpflaster, führt die Strecke durch Dresden. 5km Party Zone, auf der 20.000 Läufer feiern. Deshalb meine erste Einschätzung im März: Kann klappen, und da muss ich richtig fit sein, um den 8 Jahre alten Weltrekord von 19:31,89min von Brian Godsey zu verbessern.
Drei Monate intensive und zielgerichtete Vorbereitung stecken nun in meinen Beinen, Knochen und vor allem Muskeln. Sessions mit 5x1000m in 3:45min und schneller oder ein 8km Tempodauerlauf. Alles rückwärts und alles, um möglichst schnell am 23. Mai rückwärts dem Ziel entgegen zu kommen. Es war eine intensive Trainingszeit mit üblichen Blessuren. Blutblasen an den Füßen, Reizung von Sehnen und Knochenhaut und natürlich häufig schmerzende und verhärtete Muskeln. Aber alles in einem Bereich, wo Training nie ausfallen, höchstens angepasst werden musste und der Körper sich anpasst.
 
Vorschritt entsteht außerhalb der Komfortzone
Denn auch im Rückwärtslaufen wird man nur besser, wenn man in Grenzbereichen unterwegs ist. Ein Balanceakt zwischen Belastung und Entlastung. Wenn Belastungseinheiten und die Regeneration aufeinander abgestimmt sind, dann wird man besser, ansonsten nicht oder verletzt sich.

Wie gut das geklappt hat, wird sich bei mir am Mittwoch, den 23 Mai gegen 19:08 Uhr im Fußballstadion in Dresden zeigen. Dort ist der Zieleinlauf der REWE Team Challenge und die letzten Meter meiner Weltrekord Challenge. Ein bisschen bin ich schon nervös, während ich die Zeilen hier schreibe, und ich vermute, das wird an der Startlinie um 18:50 Uhr noch mehr sein. Wenn 20.000 Starter mir erst beim Start zuschauen, um dann selbst im Vorwärtsgang mich ab 19 Uhr zu jagen. Mein Ziel ist es, dass ich all diese Läufer erst wieder im Stadion sehe. Mit brennenden Oberschenkeln, 5km weiter und einem Weltrekord mehr, dem letzten in der Sammlung von 400 bis 10000m.
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