Mein Weg zum Ankommen

Persona: Thomas Dold

Erster sein, gewinnen und Grenzen sprengen dominierten den sportlichen und beruflichen Weg. Das Leben war bedingungslos auf Erfolg getrimmt, um das Unmögliche zu erleben. RUN2SKY war die Marke, das Motto, das Ziel und mein Leben.

 

Diese Person, diesen Thomas Dold, Weltmeister, Weltrekordler und Seriensieger, kennen Millionen. Den Menschen hinter dieser Persona (lateinisch für Schauspielmaske) kannte niemand – auch nicht ich selbst.

Abwärts

Es war der persönliche und berufliche Zusammenbruch, der 2018 ein Weiter-so unmöglich machte. Seither setze ich mich täglich mit den Fragen auseinander: „Wer bin ich?“ und „Was will ich?“. Für die Antworten ist und war kein Weg zu weit und keine Anstrengung zu groß. Als Erstes suchte ich in Thailand, Indonesien und Singapur nach den Antworten. Danach in Schweden, Kanada und Europa, ehe ich im Winter 2019 nach Sri Lanka, Ecuador und Kolumbien reiste.

Die Reisen waren so intensiv, wie man es bei einem Leistungssportler vermutet. Bis heute ist es schwer, die Beine hochzulegen und zu ruhen.

Doch in dieser Ruhe und Stille liegen laut den ältesten Schriften und Weisheitslehren aus dem Fernen Osten die Antworten auf die wichtigsten und größten Fragen des Lebens.

In der Ruhe liegt ...

Mein guter Freund Adam schickte mich in das Vipassana-Meditationzentrum Dhamma Anuradha in Sri Lanka. Noch am Eingangstor vermutete ich, in einen buddhistischen Tempel zu gehen. Doch das Meditationszentrum war kein religiöses Zentrum. Es ist ein Trainingsort, um die Meditationstechnik von Siddhartha Gautama, besser bekannt als Buddha, zu erlernen und zu üben. Dazu braucht es zehn Tage Schweigen, kein Handy, kein Laptop, keine Stifte, keine Bücher – oder anders ausgedrückt: Ruhe im Außen.

 

 

Der Tagesablauf von morgens 4 Uhr bis abends 21:30 Uhr ist dicht und klar getaktet − organisatorische Fragen unnötig. In gefühlter Isolation ging ich mit 80 weiteren Meditierenden die ersten Schritte auf einem gänzlich unbekannten Weg – ohne jede Ahnung, wohin er führt. Dieses entdeckende Gefühl kannte ich vom Laufen, wenn ich abseits der normalen Wege neue Gegenden erkundete. Dieser Mut und das Vertrauen sind seither wie Samen aufgegangen und gewachsen. In 2.000 Stunden meditieren habe ich einen anderen Blick auf die Fragen „Wer bin ich?“ und „Was will ich?“ bekommen.

Der Anfang im Ende

Begonnen hat die Reise zu den Antworten an dem Tag, als meine damalige Frau ohne Vorankündigung ging. Die Anzeichen waren außerhalb meiner Vorstellungskraft und Wahrnehmung. Das Verlassenwerden im Außen hat starke Kindheitserfahrungen im Innern getriggert und einen Schockzustand ausgelöst – Körper und Geist waren wie paralysiert. Das tief verankerte Gefühl von Hilflosigkeit, das ich als Weltmeister, Weltrekordler und Erfolgsmensch zwei Jahrzehnte ignorieren konnte, kam wie ein Hurrikan tobend zurück. Es entstand ein emotionales Trümmerfeld, in dem es gefühlt kein Morgen gab. Alles erschien ausweg- und zwecklos.

Vielleicht hätte ich das Déjà-vu aus der Kindheit wie all die Jahre davor wegdrücken können und mich in Arbeit oder eine andere Beziehung stürzen? Mindestens ein Anteil in mir spürte, dass diese Verdrängungsstrategie ein Augen-Zuhalten wäre und sich die Themen eher früher als später wieder ins Leben katapultieren würden, wenn ich mich nicht damit beschäftige, hinschaue und hinfühle.

Damit begann eine Reise mit unvergesslichen Momenten, Erlebnissen und Erfahrungen, die mich heute zu dem macht, was ich bin − und nicht bin, mit allen Siegen und Niederlagen.

Wie geht es weiter?

Diese Frage hätte ich früher für die kommenden Tage und Jahre detailliert beantworten können − mit Zielen und dem Weg dahin.

Heute kann ich mir eingestehen, dass die wirklich wichtigen Dinge im Leben niemals geplant sind.

Deshalb freue ich mich schon jetzt, dich kennenzulernen.